Argentinienbrücke

Heute begeben wir uns mal wieder nach Steinwerder ins Hafengebiet. Wie Ihr vielleicht schon mitbekommen habt, ist das nicht unbedingt „meine Gegend“, ich kenne mich da einfach nicht aus und daher beginnt die Aufschieberitis zum Erstellen der Beiträge eigentlich bevorzugt hier. Aber wie der Zufall es so will, habe ich vor ein paar Tagen etwas aufgeschnappt und mich gleich daran erinnert, dass ich dort ja schon mal gewesen bin.

Im Juli letzten Jahres habe ich bei schönstem Sommerwetter mehrere Touren mit den Hafenfähren gemacht, erst die eine Linie, dann die andere und zum Abschluss noch eine dritte und auf der Fahrt mit der Linie 73 hielten wir an einem Anleger mit einem bunten Hamburg-Graffitto, das ich dann schnell fotografiert habe, weil ich nicht erwartet habe, sowas im Hafen zu sehen.  Nun, da ich mich Monate später mit Brücken beschäftige, stelle ich fest, dass dieses Graffitto zur Argentinienbrücke gehört. Und schon bin ich nicht mehr sprachlos, sondern haben endlich einen Aufhänger für diese Brücke. Zunächst aber die Fotos der Brücke. 

Argentinienbrücke Schild Argentinienbrücke unscharfIch weiß, die Fotos sind mistig und qualitativ schlecht. Aber was soll ich machen, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und ständig irgendwelche LKW mit Containern an einem vorbeibrausen, da kann man nur versuchen, sie irgendwie zwischendrin zu erwischen. Dafür habe ich aber das Graffitto, das sich unterhalb der Brücke an dem Fähranleger der Linie 73 der HADAG befindet, vernünftig fotografieren können.

Argentinienbrücke Anleger 02 Argentinienbrücke Anleger

Dieses ist nicht etwa „wild“ angebracht worden, sondern ist im Auftrag der Hamburg Port Authority, also der für den Hafen zuständigen Behörde, entstanden. (Details dazu kann man auf diesem Video hier –> klick <– gut erkennen).  Nun könnte man meinen, hey, das ist ja klasse, das wertet den Hafen ja doch irgendwie auf. Doch wie so oft gibt es auch hier ein „aber“ – und zwar ein riesengroßes:

Gleich nebenan befindet sich nämlich das „Goldene Kalb“, eine golden schimmernde Skulptur, die mitten im Reiherstieg auf einem ungenutzten Brückenpfeiler steht und ein echter Hingucker im Hafenbecken ist. Dass die Künstlerin Elisabeth Richnow nicht gerade darüber begeistert ist, dass ihrer Kunst gegenüber jetzt ein überdimensional großes, grelles und buntes Bild prangt, ist ja wohl klar und selbst die Behörde hat wohl auch eingesehen, dass sie hier ein wenig unsensibel vorgegangen ist, als sie den Auftrag zum Graffitto vergeben hat. Vermutlich haben sich hier mal wieder unterschiedlich zuständige Abteilungen nicht abgesprochen. Leider ist mir nicht bekannt, ob die Künstlerin jetzt den Plan, weitere Werke im Hafengebiet aufzustellen, aufgegeben oder realisiert hat. Aber eines ist auch mir klar: die beiden passen so gar nicht zueinander. Das Elbe-Wochenblatt hat das Dilemma gut beschrieben.

So. Genug der Kunst, jetzt widmen wir uns der Fakten. Die Argentinienbrücke ist 1983 eingeweiht worden und führt über den Reiherstieg und liegt in unmittelbarer Nähe zur Ellerholzbrücke. Sie ist eine Dreier-Brücke: zwei Brücken für den Straßenverkehr und eine separate Brücke für die Fahrradfahrer.

Nun kommt’s aber: weil man zu Zeiten des Baus der Argentinienbrücke offensichtlich nicht daran geglaubt hat, dass der Hamburger Hafen boomen würde und der Schwerlastverkehr immer mehr zunimmt, ist sie jetzt so marode, dass ab dem 1. März 2014 für LKW ein Überholverbot gilt und sie die Brücke außerdem nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h überqueren dürfen.

Schwertransporte mit einem Gewicht von über 44 t müssen zuvor angemeldet und überprüft werden und nur wenn sie allein die Brücke befahren, dann dürfen sie hier mit maximal 10 km/h fahren! Ich werde dann mal verstärkt auf die Verkehrsnachrichten und Staumeldungen hören … Da diese Beschränkung aber nicht zum Dauerzustand werden soll und damit der Verkehr wieder ungehindert rollen kann, wird noch in diesem Jahr begonnen, eine Verstärkung für die Brücke zu planen.

Unterhalb der Brücke befindet sich im Übrigen ein Tiefbunker aus dem Jahr 1940 mit 158 Plätzen. Ob man diesen Tiefbunker besichtigen kann, ist mir nicht bekannt. Details sind über die Seite Geschichtsspuren abzurufen.

Karte anzeigen

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Ein Gedanke zu „Argentinienbrücke

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