Helgoländer Allee

Wetten, dass ich Euch heute überrasche? Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass Ihr Leser heute von meinem Brückenbericht über die Helgoländer Allee Informationen zu der U-Bahn-Linie erwartet; die kommen auch später noch, aber ich habe etwas für mich völlig Neues zu dieser Brücke gefunden: den Tiefbunker Helgoländer Allee. Dieser über drei Stockwerke im Jahr 1941 in Betrieb genommene  Luftschutzbunker war für die Aufnahme von 630 Personen konzipiert worden, hat aber im Notfall sicherlich weit mehr als 1.000 Personen aufgenommen.Ein Abschnitt über diesen Bunker, den ich im Netz gefunden habe, hat mich dann doch völlig sprachlos gemacht: der Beginn der Bauarbeiten für diesen Luftschutzbunker war am 23.10.1939! Oktober 1939!!! Also bereits relativ kurz nach Ausbruch des 2. Weltkrieges. Allein an diesem Datum kann man schon absehen, in welche Richtung selbst die Nazis den Krieg drehen wollten. Zum Bunker gleich mehr, erst einmal aber die Fotos der Brücke über die Helgoländer Allee.

Helgoländer Allee 02 Helgoländer Allee 03 Helgoländer Allee 04 Helgoländer Allee

Den Eingang zum Bunker habe ich leider nicht fotografiert, weil ich damals noch gar nicht wusste, dass sich dort ein ehemaliger Bunker befindet. Dieser Bunker stellt dann auch noch einen ganz besonderen dar; denn es wurden von diesem Bunkertyp in Hamburg nur zwei Stück gebaut! Aber da ich den Autoren, bei denen ich die Geschichte zu dem Bunker gefunden habe, nicht die Leser wegnehmen möchte, bitte ich Euch, bei Interesse folgende Seiten aufzurufen:

Hamburger Unterwelten und Der Weltkrieg war vor deiner Tür.

Von den ernsten Dingen aber zu den lustigen Seiten des Lebens: unter der Brücke an der Helgoländer Allee führt auch immer der Zug des Schlagermoves hindurch. Ich stehe immer oben auf dem Berg und schaue mir die Sause von oben an 🙂

Nun aber zur Brücke: sie wurde 1912 in Betrieb genommen und ist rund 56 Meter lang und die über sie führende U-Bahn-Strecke ist selbstverständlich meine Lieblingsstrecke, führt sie doch schließlich direkt am Hafen entlang.

Die Brücke besteht aus drei genieteten Stahlbögen mit oben liegender Fahrbahn, die wiederum auf massiven steinernen Widerlagern und Pfeilern lagern. Im Jahr 2002, also nach 90 Jahren ihres Bestehens wurde sie grundlegend saniert – und das bei laufendem Betrieb. Durch diese Sanierungsarbeiten ist ein Weiterbestand der Brücke für die aus heutiger Sicht nächsten 20 Jahre gewährleistet.

In meinem Artikel über das Hochbahnviadukt Hellbrookstraße hatte ich Eure Aufmerksamkeit auf die Seite Hamburger Untergrundbahn gelenkt. Das möchte ich heute auch machen und zwar speziell auf den Artikel zu der Station „Hafentor„, die heute Landungsbrücken heißt. Dort erfahrt Ihr allerhand Informatives über die Linie, die über die Brücke Helgoländer Allee führt.

Nicht minder interessant ist aber die auf der Seite Bahnaktuell.net beschriebene Geschichte des ÖPNV in Hamburg. Aber auch hier gilt: nehmt Euch Zeit, lehnt Euch zurück, es ist wirklich lesenswert!

Immer wieder faszinierend finde ich es, auf die Vergangenheit der Hochbahn zurückzublicken. Alleine die Vorstellung, unter welchen Bedingungen und mit welchen wenigen technischen Hilfsmitteln Anfang 1900 U-Bahn-Linien gebaut und dann betrieben wurden und diese dann zwei folgende Weltkriege überstanden haben, nötigt mir höchsten Respekt ab. Heute stellt die Hochbahn ihren Betrieb ein, weil ein Bäumchen umknickt und damals? Stürme gab es sicherlich auch; und selbst Kriege konnte die Hochbahn nicht gänzlich zerstören.

Interessant ist auch Folgendes. Ein Großteil der U-Bahn-Linien wurde ja ab 1912 eröffnet und in den Folgejahren gebaut. Aber: 1914 begann der 1. Weltkrieg und die Arbeiter zum Bau der Linien fehlten. Hierzu habe ich natürlich auch eine interessante Seite gefunden und ich zitiere mal:

War bisher der Betrieb der Hochbahn im steten Aufstieg begriffen, so machte doch der Krieg den Plänen ein jähes Ende. Mit der Mobilmachung am 2.August 1914 verlor die Hochbahn 3/4 der männlichen Betriebsangestellten. Erhebliche Fahrplaneinschränkungen wurden notwendig. Für Militärpersonen, Zivilpersonen in militärischen Diensten und 2000 Helfern des Roten Kreuzes mußten freie Fahrt gewährt werden. Die Zahl dieser nicht zahlenden Fahrgäste belief sich auf etwa 24 000 täglich. Vom April 1915 an wurden die Freifahrten beschränkt auf verwundete und kranke Soldaten. Im übrigen galt für Militär im Mannschaftsgrade bis einschließlich Hauptfeldwebel ein Einheitsfahrpreis von 10 Pfennig für jede beliebige Entfernung. Die Mindereinnahme im Jahre 1914 betrug 258 528 Mark.

Lest gerne weiter. Das Hochbahnbuch beschreibt den Betrieb der Hochbahn bis 1945 sehr anschaulich. Hier erfahrt Ihr auch die Taktung der Fahrpläne sowie Art und Umfang der Zerstörungen im 2. Weltkrieg. Sehr, sehr lesenswert.

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