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Johan-van-Valckenburgh-Brücke

Der Artikel aus Hamburgs Brücken, der mich am meisten beschäftigt hat, weil er mich so richtig in die Recherche gezogen hat, war der über die Große Wallanlagen. Es hat nicht nur Spaß gemacht, die Geschichte der Wallanlagen zu recherchieren, sondern ich habe auch jede Menge gelernt. So auch, dass 1616 der Ingenieur zum Bau der Festung der Hamburger Wallanlagen eben jener Johan van Valckenburgh war, dem diese Brücke gewidmet ist.

erl. Valkenburgbrücke Planten

erl. Valkenburgbrücke Schild

Die Johan van Valckenburgh Brücke führt von den Tropengewächshäusern über den alten Wallgraben hinweg zu seiner Gedenktafel.

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Große Wallanlagen

Heute geht’s zu den Großen Wallanlagen. Dort war ich natürlich auch, als ich mir die Schaugewächshäuser in Planten un Blomen angeschaut habe.

erl. Große Wallanlagen

 

Wer jetzt anmerken möchte, dies sei doch nur ein Park und eine dortige Brücke „zählt nicht“, der irrt gewaltig; denn die Wallanlagen sind nicht nur ein Park – ok, heute schon – sondern die waren ursprünglich mal das, was der Name sagt: sie waren Befestigungen um Hamburg herum, die zwischen 1616 bis 1625 errichtet wurden. Seit dem 13. Jahrhundert war Hamburg durch Stadtmauern umrundet, die dann teilweise bereits ab 1475 durch einen Wall ergänzt wurden. Fünfzehnhundertirgendwas wurde die Stadt durch den „Neuen Wall“ umgeben (daher heute auch noch der Straßename, der auf den ehemaligen Verlauf des Walls hinweist). Neue Befestigungsanlagen und Wälle wurden Anfang des 17. Jahrhunderts notwendig, da vor den Toren Hamburgs bereits Dänemark begann und man sich nicht so wirklich freundlich gesonnen war.

Damit die Stadt durch einen geschlossenen Ring aus Befestigungsanlagen gesichert wird, wurde ein Wall aufgeschüttet, der dann die Alster in Außen- und Binnenalster trennte. Die Hamburger Wallanlagen wurden mit 22 Bastionen versehen, die jeweils ihren eigenen Namen erhielten.

Im Nordwesten der Stadt wurde vorgelagert eine Befestigungsanlage – die Sternschanze – errichtet, um die Gegner auf Distanz zu halten. Die Wallanlagen wurden durch ein Glacis („Glacischaussee“ – das sagt uns doch was, oder?) vervollständigt, nämlich durch eine feindwärts abfallende Erdaufschüttung rund um die Stadt, die dann wiederum mit rund 300 Kanonen bestückt wurden. Die Wälle und Bastionen wurden mit Grassoden bedeckt und mit spitzen Holzpfählen versehen, die den Einsatz von Sturmleitern zur Überwindung der Wälle verhinderten.

Die Wallanlagen wurden so sicher gebaut, dass Hamburg während des Dreißigjährigen Kriegs unversehrt blieb – wie auch; denn es wurde aufgrund der Befestigungen kein einziger Angriff auf Hamburg unternommen. Hamburg war eine sichere und gesicherte Stadt.

Selbstverständlich aber kam man auch durch die Wälle hindurch in die Stadt. Hierzu wurden Stadttore gebaut: im Westen das Millerntor und das Dammtor, im Osten das Steintor und zur Elbe hin das Sandtor und das Brooktor. Viele Jahre später wurden weitere Stadttore errichtet: Hafentor, Holstentor, Klostertor und Deichtor. Alles Namen, die uns heute noch geläufig sind. Beim nächsten Durchqueren der Stadt werde ich diese Straßennamen und Ortsangaben mit ganz anderen Augen sehen.

Diese sichere Stellung Hamburgs hat aber auch seine Nachteile gehabt. Hamburg war zwar die wohlhabendste Stadt Deutschlands, aber auch die bevölkerungsreichste Stadt und mehr und mehr Menschen kamen nach Hamburg, um sicher leben zu können. Nur: es gab keinen Platz mehr innerhalb der Wallanlagen. Aber da die Hamburger ja schon immer schlaue Kaufleute waren, haben sie kurzerhand eine „Torsperre“ eingeführt. Gegen Bezahlung konnte man nach Toreschließung noch in die Stadt rein. Wenn ich das richtig verstehe, also die Vorläufer der heutigen Pendler 🙂 Der wirtschaftliche Aufschwung hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein Ende gefunden. Die Wallanlagen waren stark veraltet und wohl auch nicht mehr sicher; und so entschloss man sich 1804, die Wallanlagen in einen Park umzuwandeln.

Blumen statt Krieg.

Klappte nicht so ganz; denn 1806 nahmen die Franzosen Hamburg ein und beschlossen, dass die Hamburger unter Zwangsarbeit die Wallanlagen wieder zu Festungen umbauen müssen. Acht Jahre später, 1814, endete die französische Besatzung und Hamburg trat kurz danach dem Deutschen Bund bei. Aufgrund dieser Veränderungen wurden unter Leitung von Isaak Altmann in den Jahren 1820 bis 1837 die Wallanlagen beseitigt und in Grünanlagen umgewandelt, die dann auch in ganz Deutschland vorbildlichen Charakter genossen.

Während des Zweiten Weltkrieges, aber vor allem gleich nach der Kapitulation wurden die sehr tiefen Gräben der Wallanlagen dann genutzt: der Trümmerschutt aus den angrenzenden Teilen der Innenstadt wurde darin abgelagert, so dass es als einziges Überbleibsel der ehemaligen Gräben nur noch ein kleines Stück Graben im Alten Botanischen Garten am Stephansplatz gibt.

Ich denke, Ihr versteht jetzt, warum ich unbedingt in diesem Brückenblog auch die Wallanlagen erwähnt haben wollte.

Mein Wissen hierüber habe ich allerdings nicht in meinem Kopf gespeichert, sondern ich habe mir Hilfe bei Wikipedia geholt.

Heute sind die Wallanlagen vor allem durch ihre Integration in Planten un Blomen bekannt und vor allem im Winter durch die große Eislauffläche, Eisarena Hamburg.

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