Michaelisbrücke

Ziel meines Spaziergangs durch die Hamburger Neustadt neulich, bei dem ich zufällig den Hummelbrunnen entdeckte und somit auf meinem Blog die Geschichte der Herkunft des Hamburger Ausspruchs „Hummel, Hummel – Mors, Mors“ erzählen konnte, war eben genau diese Michaelisbrücke auf der Fleetinsel.

Die Michaelisbrücke ist eine Fußgängerbrücke und überquert das Herrengrabenfleet. Ursprünglich war die im 19. Jahrhundert errichtete Michaelisbrücke eine Straßenbrücke, die dann allerdings im Zweiten Weltkrieg zerbombt wurde. Erst 1987/1988 wurde an dieser Stelle eine neue Michaelisbrücke errichtet, diesmal allerdings als Fußgängerbrücke. Geht man von ihr aus über die Fleetinsel durch den Torbogen des Steigenberger Hotels trifft man auf die Heiligengeistbrücke. Nun aber zur Michaelisbrücke 

Michaelisbrücke 01 Michaelisbrücke 02 Schild Michaelisbrücke 03

Wisst Ihr, was ich frustrierend finde? Die Gegend rund um die Michaelisbrücke ist so geschichtsträchtig und was findet man zuhauf auf den ersten Seiten bei Google, wenn man nach Michaelisbrücke sucht? Liebesschlösser!!! Nicht zu übersehen auf diesem Bild und dann gibt es auch noch so eine Seite „Liebesschloss.de„, auf der die Michaelisbrücke als die Brücke für Liebesschlösser ausgelobt wird. Ich gebe ja zu, ganz am Anfang als die ersten Schlösser an der Schwanenwikbrücke hingen, fand ich die Idee ja ganz romantisch – aber inzwischen gibt es ja kaum ein Geländer mehr, an dem nicht irgendsoein Schloss hängt. Ein paar Brücken habe ich schließlich schon gesehen.

Aber zurück zum Thema. Ich habe jetzt in den letzten Wochen so oft das Wort „Fleet“ erwähnt, dass es wohl mal an der Zeit ist, die Leser, die nicht aus Hamburg stammen, aufzuklären, was bei uns als Fleet bezeichnet wird.

Hervorgegangen sind die Hamburger Fleete vor allem aus den Mündungsarmen der Alster und der Bille in die Elbe und dienten sowohl der Entwässerung Hamburgs als auch als Verteidigungsgräben der Stadt. Als dann später die Alster aufgestaut wurde, dienten die Fleete als Überlaufgräben und als die Hochzeit der Hanse und des Handels einsetzte, dann als Warenverkehrsstraßen. Da der Wasserstand der Hamburger Fleete ursprünglich nicht durch Schleusen (wie bei den künstlichen Kanälen üblich) geregelt wurde, sondern von der Tide abhängig waren, kam es zu starken Schlickablagerungen. Damit aber die Fleete schiffbar blieben, gab es in Hamburg seit dem 16. Jahrhundert den speziellen Beruf Fleetenkieker. Mit hohen Wathosen stapften sie durch den Schlick und entfernten Unrat oder kehrten zuviel Schlickansammlungen auf. Bei Wikipedia gibt es einen schönen Eintrag zu den Fleetenkiekern.

Die Fleete waren aber nicht nur für den Warentransport als Wasserstraße bedeutsam, sondern sie dienten ebenso (tja, damals gab’s halt noch keine Kanalisation) zur Entsorgung von Fäkalien und Unrat mit der Folge schlimmster hygienischer Probleme. Weil die unhygienischen Zustände unhaltbar wurden, hat man bereits im 19. Jahrhundert kleinere oder wenig genutzte Fleete (von den 29 Fleeten insgesamt) zugeschüttet. Dies vor allem nach dem Großen Hamburger Brand im Jahr 1842. Später dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden weitere Fleete mit Trümmerschutt zugeschüttet – siehe mein Bericht über die Zollenbrücke und das Gröningerfleet.

Weitergehende Informationen findet man bei Wikipedia.

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Ein Gedanke zu „Michaelisbrücke

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